Charly Lownoise – zwischen Turntable und Klangschale
Die Bedeutung der Stille in der Musik
Stilte kwam voorbij
Misschien was het maar
even Heb je Hem gezien?
Stille kam vorbei
Vielleicht war es nur ganz kurz
Hast du sie gesehen?
Im April 1999 - vor mehr als 10 Jahren - sind diese Zeilen in der traditionellen, japanischen Versform „Haiku“ entstanden. Der Verfasser ist Ramon Rollfs of Roelofs, zu diesem Zeitpunkt besser bekannt als Charly Lownoise aus Holland. Gemeinsam mit seinem musikalischen Partner und Kumpel Mental Theo tourt er bereits viele Jahre durch die Welt. Tausende Tanzwütige feiern das DJ-Duo auf ihren Tourneen in Amerika und Australien. Europaweit treten sie mehr als 250-mal im Jahr auf.
Ramons und Theos Musik ist Happy-Hardcore, ein Musikstil, der seinen Ursprung Anfang der 90er Jahre in Großbritannien hat. Im Vergleich zum Hardcore-Techno ist diese Musik etwas fröhlicher, beschwingter – „happy“ eben. Die Tracks sind überaus schnell. Mit 160 bis 180 bpm (beats per minute) peitschen sie den Herzschlag nach oben. Oftmals werden die Pianohooklines und Vocals von bekannten Schlagern oder Oldies gepitcht, sodass ein typischer Mickie-Maus-Sound entsteht. Ramon und Theo landen mit diesen Effekten zwölf Top-Ten-Hits innerhalb von vier Jahren: "Wonderful Days" „Stars“, „Fantasy world“ oder „Hardcore feelings“ gehören dazu.
Das Leben von Ramon und Theo ist laut, hektisch, schnell. Der Stress nimmt proportional mit den Erwartungen der Labels zu. Sexpartys und Drogen schaffen nur für einen kurzen Moment Ablenkung und Zerstreuung. Die einstige Freude an der Musik verhallt.
Zur Weihnachtszeit 1997 bricht Ramon dann auf der Bühne zusammen. Er ist erschöpft und müde. Burnout: Man rät ihm, seinen Lebensstil achtsam zu überdenken.
Stilte kwam voorbij
Misschien was het maar even
Heb je Hem gezien?
Stille kam vorbei
Vielleicht war es nur ganz kurz
Hast du sie gesehen?
Heute legt Ramon nach wie vor auf den größten Musik-Festivals in der ganzen Welt auf. Neben der lauten, extrovertierten Welt hat er sich einen stillen Gegenpol kreiert und pflegt seine spirituelle, achtsame Seite. Er entdeckt den Buddhismus für sich. Zen-Übungen geben ihm Inspiration und Vertiefung. Er schreibt „Haiku“. Regelmäßig fährt er für Retreats in Klöster auf der ganzen Welt, schweigt an diesen Wochenenden, meditiert. Als Zen-Lehrer unterrichtet er inzwischen wöchentlich verschiedene Klassen in Den Haag.
In seiner Autobiografie „Charly Lownoise zwischen Turntable und Klangschale“ beschreibt Ramon diese Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit und Halt und die Bedeutung der Stille sehr eindrücklich: „Das Glücksgefühl, das durch die Stille an die Oberfläche meines Bewusstseins strömt, scheint immer verfügbar zu sein. Sobald ich mich von meinen Gedanken lösen kann, ist es sofort da. Geräusche klingen klar und nahe, der Geschmack wird intensiver, und visuelle Bilder werden schärfer. Stille wird ein elementarer Bestandteil meines Seins. Ich kann sie nicht anfassen, aber dafür berührt sie mich.“
Am 29. Oktober 2011 ist Ramon Rollfs of Roelofs auf der Veranstaltung „Die geschenkte Stunde“ zu Gast und spricht über seine zwei Leben: das laute und das stille. Diese Diskussionsrunde „Musik und Stille“ – gemeinsam mit Komponist und Pianist Frank Zabel, Musikwissenschaftler und freischaffender Künstler Joachim Stange-Elbe und einem Mitglied des Hörlosenchors in Hamburg – wird vom Konzert der Stille moderiert. Der Eintritt ist frei.
Eventuell haben Sie Fragen an Ramon über die Bedeutung von Stille und Pausen in der Musik? Gern senden Sie diese an kontakt(at)konzert-der-stille.de oder schreiben Sie einen Kommentar direkt unter diesen Artikel. Vielen Dank!
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"Happy Hardcore", ein schöner Name, der den zwei Welten von Charly Lownoise ein Zuhause gibt. Ich bin seit einigen Jahren nicht dem Zen, sondern dem tibetischen Buddhismus verbunden. Welcher Tradition man folgt scheint mir egal, denn in allen geht es gleichermassen um die Entwicklung von Achtsamkeit und Gewahrsein und die Nutzung des Atems und der Stille um sich zu fokussieren, bei sich anzukommen. Für mich gab es lange Zeit die Vorstellung von zwei Welten; die eine, in der ich meiner Arbeit und meinen Verantwortlichkeiten nachgehe und die andere, die der Entspannung und der Wahrhaftigkeit dient. Mit zunehmender Meditationspraxis beginnt sich allmählich dieses Konzept von zwei oder mehreren Welten aufzulösen und die Polarisierung beginnt der Integration zu weichen. Letztlich ist jeder Moment, egal an welchem Ort und in welcher Situation, eine Möglichkeit zur Meditation denn unser Geist ist ja ständig bei uns und redet uns alles Mögliche ein. Ein empfehlenswerter Blog, der von Alltagstauglichkeit bis zu Spiegelneuronen viel Spannendes, Humorvolles und Praktisches zum Thema Meditation zu berichten hat, findet sich (in englisch) unter www.whatmeditationreallyis.com









