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VON HARRIET OERKWITZ
15. OKTOBER 2014

Community Music Therapy – Kraft für eine sich wandelnde Kultur!

Ein Grundlagenwerk, rezensiert von Silke Hoffmann

An vielen Orten erfahren Menschen etwas von der heilsamen Kraft gemeinsamen Musizierens und Singens. Es erscheinen derzeit vermehrt Projekte, Vereine und wissenschaftliche Studien in den Medien, denen dieses Potential ein Anliegen ist: mit ihrem Education-Programm initiieren die Berliner Philharmoniker Community Music-Projekte; in Krankenhäusern singt das Pflegepersonal gemeinsam mit den Patienten und im Rahmen einer Fernsehdokumentation bildet sich ein Chor aus „unglücklichen Menschen“ um den wissenschaftlichen Beleg zu erbringen, dass gemeinsames Singen glücklich macht. Neben den vielen medienwirksamen Berichten erzählen sich Menschen mit begeisterter Stimme gegenseitig von berührenden Momenten, in denen plötzlich wieder miteinander gesungen wurde. All diese und viele weitere Beispiele zeugen von positiven Erlebnissen gemeinschaftsbildender Musiziererfahrung, welche im musiktherapeutischen Kontext unter der Bezeichnung Community Music Therapy Eingang gefunden hat.

 

Mit dem Titel „Community Music Therapy – Musik stiftet Gemeinschaft. Heilsame Wege in einer sich wandelnden Kultur“ veröffentlichte der Drachen Verlag in diesem Jahr ein weiteres Buch in seiner Reihe „Library of Healing Arts“. Es ist die Schriftenreihe der Europäischen Akademie der Heilenden Künste, Klein Jasedow, in welcher Publikationen zu Hintergrund und Praxis der kreativen Therapien erscheinen. Autorin des oben genannten Werks ist Christine Simon, Mitbegründerin der Akademie. Sie promovierte am Institut für Musiktherapie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg über Community Music Therapy.

 

Mit der Neuerscheinung liegt nun erstmalig eine Arbeit über Community Music Theapy (CoMT) in deutscher Sprache vor, einer internationalen musiktherapeutischen Praxis, der hierzulande bislang noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Christine Simon gelingt eine überaus sorgfältige Bestandsaufnahme dieses relativ jungen musiktherapeutischen Felds. Sie begibt sich dabei auf Spurensuche, sinnt den einzelnen Aspekten von Community, Musik und Therapie nach und forscht zu möglichen Wurzeln von CoMT.

 

Musikalischer Ausdruck gilt seit jeher und in all seiner Vielfalt bei den verschiedenen Völkern der Welt als wichtigste gemeinschaftsbildende Kraft einer Kultur. Die Autorin stellt zahlreiche Beispiele und Entwicklungen aus Vergangenheit und Gegenwart vor, die den Geist der CoMT in sich tragen und entsprechend gesellschaftlich wirk(t)en. CoMT wird in Fachkreisen als ein kontextbezogener, partizipativer Ansatz schöpferischen Tuns verstanden. Kernanliegen von Christine Simon ist ein wahrhaft integratives Verständnis von CoMT, welches sich nicht auf sozio-kulturelle Phänomene beschränkt, sondern die gesamte Natur mit all ihren Erscheinungsformen des Lebendigen umfasst. Die Wiederverbindung des Menschen mit der Natur wird von der Autorin unter salutogenetischen Gesichtspunkten, auch im Hinblick auf die Bedeutung von Spiritualität für die menschliche Gesundheit, beleuchtet. Ihren Leitgedanken zu CoMT verknüpft sie mit zahlreichen Ansätzen aus anderen Disziplinen wie etwa der Ökopsychologie, Tiefenökologie oder auch der systemischen Naturtherapie.

 

Dem Verständnis von CoMT als einem Ausdruck kultureller Bewegung folgend, werden Verbindungen zwischen CoMT und dem derzeitigen Paradigmenwandel in den modernen westlichen Gesellschaften aufgezeigt. Abschließend porträtiert Christine Simon Menschen, welche die gesundheitsförderlichen Eigenschaften von gemeinschaftlichem Singen und Musizieren erforschen und in ihren jeweiligen Kontexten praktizieren.

 

Einschätzungen bezüglich der Zukunft unserer Gesundheitsversorgungssysteme wie jene von Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt, weisen auf eine Verschiebung klinischer musiktherapeutischer Arbeit hin in Richtung Prävention. In diesem Zusammenhang ist CoMT als ein zeitgemäßes Format für kreativtherapeutisches Arbeiten zu sehen. Das Buch ist daher für MusiktherapeutInnen spannend zu lesen, die damit einen profunden Einblick in diesen Bereich nicht-klinischer musiktherapeutischer Arbeit vermittelt bekommen. Es fasst historische Entwicklungen, Diskussionen sowie die wesentliche Fachliteratur zum Thema zusammen.

 

Darüber hinaus ist es ein lesenswertes und optisch schön gestaltetes Werk, das sich mit einfühlsamer Sprache an eine breite Leserschaft wendet, die sich für künstlerische Wege des Wandels hin zu einer lebensfördernden Kultur interessieren.

 

Christine Simon, „Community Music Therapy – Musik stiftet Gemeinschaft. Heilsame Wege in einer sich wandelnden Kultur“, Klein Jasedow: Drachen Verlag 2013

 

HINWEIS: Vom 19. bis 23. März 2014 findet ein Einführungs- und Aufnahmekolloquium für InteressentInnen am Weiterbildungsstudiengang „Gemeinschaftsbildende Musiktherapie (Community Music Therapy)“ an der Europäischen Akademie der Heilenden Künste in Klein Jasedow statt. Weitere Informationen finden sich auf der Seite der Akademie.

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SCHLÜSSELWÖRTER 
CHRISTINE SIMON, KLEIN JASEDOW, AKADEMIE DER HEILDENDEN KÜNSTE, SILKE HOFFMANN, COMMUNITY MUSIC THERAPY
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