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VON HARRIET OERKWITZ
08. APRIL 2012

„Gestimmt auf Gottes Melodie“

Eine Reflektion über das Seminar mit Christoph Quarch und Helge Burggrabe

Quelle: Helge Burggrabe

Mit Texten von Hazrat Inayat Khan, Dschalaleddin Rumi, Friedrich Cramer oder Platon luden der Philosoph Christoph Quarch und der Komponist Helge Burggrabe dazu ein, über die Bedeutung von Musik in unserem Miteinander zu reflektieren. „Gestimmt auf Gottes Melodie“ hieß das Tageseminar am vergangenen Wochenende in der Kirche der Stille, Hamburg-Altona.

„Musik“, so Quarch, „ist Manifestation und Metapher des Lebens zugleich.“ Wir beschreiben die Welt genauer, wenn wir sie als Musik beschreiben. Das Verständigen über Musik ermöglicht gemeinsames Leben. „Alle Religionen haben gelehrt, dass der Ursprung der ganzen Schöpfung der Klang ist. Die Musik des Universums ist der Hintergrund des kleinen Bildes, das wir Musik nennen. Unser Empfinden für Musik, unsere Liebe zur Musik zeigen, dass es Musik in der Tiefe unseres Wesens gibt. Musik ist hinter dem Wirken des ganzen Universums. Musik ist nicht nur das größte Objekt des Lebens, sondern sie ist das Leben selbst.“ (Zitat: Hazrat Inayat Khan)

Durch Schwingungen entsteht zwischen allem, was ist, eine Verbindung. Das Mysterium der Welt bleibt, wie diese Verbindungen genau entstehen und warum die Qualitäten dieser Verbundenheit so stark variieren. „Schwingungen werden zu Atomen und bringen das hervor, was wir Leben nennen. So geschieht es, dass ihre Gruppierung, durch die Macht der Affinität der Natur, eine lebendige Wesenheit bildet; und in der Weise, wie der Atem sich durch die Gestalt manifestiert, erlangt die Materie Bewusstsein.“ (Zitat: Hazrat Inayat Khan)

Damit uns ein Klang gelingt und glückt, benötigen wir ein ausgewogenes Maß für Stille und Nicht-Stille. Es geht darum, sich für die Schwingungen und Töne durchlässig und offen zu machen, also still zu sein. Gottes Melodie hören wir nicht, sondern sie wird durch uns hörbar. „Während vieler Jahre bin ich gereist und habe gesehen, wie sehr die Menschen nach Wahrheit suchen. Doch zu meiner großen Enttäuschung fand ich viele, die zwar an spirituellen Fragen interessiert waren, doch nur intellektuell über den Glauben argumentierten und diskutierten. Aber wir brauchen den Intellekt nicht so sehr, wenn wir Gott suchen oder um Spiritualität zu erlangen, sondern wir müssen dafür unser Herz stimmen.“ (Zitat: Hazrat Inayat Khan)

So bot Helge Burggrabe zahlreiche Klangspiele an, in denen die Seminarteilnehmer ausprobierten, wie sie gestimmt sind und wie sie in unterschiedlichen Gefühlsräumen und Situationen klingen. Wie ändere ich meinen Ton, wenn ich nah an einem singenden Menschen stehe? Passe ich mich an, fühle ich Gleichklang, höre ich dem gegenüber zu, kommen wir in Resonanz?

Harmonie blieb in diesem gemeinsamen Erleben kein klassisches, ordentliches, ganzzahliges Verhältnis von Intervallen, vorzugsweise Quinten, sondern wurde durch die Idee angereichert, dass wir uns harmonisch fühlen, wenn wir uns in der Vielfalt von Klängen, Schwingungen und individuellen Ausdrücken erkennen. „In der Regel beruht die Harmonie auf dem Kontrast: Männer kämpfen gegeneinander, und Frauen streiten miteinander; jedoch männlich und weiblich harmonieren in der Regel, und eine vollständige Einheit ruft eine vollkommene Harmonie hervor.“ (Zitat: Hazrat Inayat Khan)

„All unsere Musizieren“, so Quarch, „wird von dem Ton der Liebe getragen. Dies erfordert, dass wir uns von Gott stimmen lassen.“ In diesem Ton versteckt sich der Oberton des Trennungsschmerzes, der den Verlust jedes Individuums von der Einheit symbolisiert und hörbar macht. „Hochentwickelte Seelen achten die Gesetze der Harmonie und befolgen sie bei ihrem Leben in der Gemeinschaft. Sie begreifen, das Harmonie die Hauptsache im Leben ist und das wir im Leben nicht glücklich sein können, wenn wir nicht mit unserer ganzen Umgebung in Harmonie leben. Wie hoch wir auch entwickelt sind, von welchem Standpunkt aus wir das Leben auch betrachten, wie groß auch unsere Freiheit ist, wir müssen die Gesetze achten, die für die Masse gelten.“ (Zitat: Hazrat Inayat Khan)

Impulse und Informationen zu weiteren Seminaren über Musik, Kontemplation und Wandlung mit Helge Burggrabe und Christoph Quarch finden sich unter www.lumen-naturale.de und www.burggrabe.de.

Vielen Dank für ein differenzierteres Verständnis von Harmonie!

Ich bin Unterstützer: Das Konzert der Stille ist und bleibt in meiner Wahrnehmung ein Geschenk an die Welt. Für die hochwertigen Gastbeiträge und für die oftmals umfangreichen Programmier-Leistungen bemühe ich mich stets um einen Wertausgleich. Wer mir dabei helfen möchte, den bitte ich um seine frEURO auf das Konto Harriet Oerkwitz/ Konzert der Stille, bei der DKB 120 300 00, Kontonummer 1012644777, Betreff: „Ich bin Unterstützer“. Da das Konzert der Stille nicht als gemeinnützige Organisation bewertet wird und somit nicht die Voraussetzung der § 68 ff der Abgabenordnung erfüllt, stelle ich keine Spendenbescheinigungen aus.
SCHLÜSSELWÖRTER 
HELGE BURGGRABE, CHRISTOPH QUARCH, GESTIMMT AUF GOTTES MELODIE, HARMONIE
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