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VON CHRIS WEDERKA
09. MÄRZ 2013

Im Bann der sinnlichen Natur - Eine Symposien-Reise

Ein- und Rückblick aus München von Georg Dietzler

Copyright Foto: Georg Dietzler

München 8.+.9. März

 

Die liebe Harriet kann nicht an zwei Orten gleichzeitig sein, nicht in Heidelberg und München, gerne bin ich ihrer charmanten, unwiderstehlichen Bitte gefolgt ein paar skizzenhafte Reiseeindrücke mit Euch, ihren Lesern zu teilen.

8. März, 14.30h Ankunft München HBF, es riecht nach Frühling, die Sonne wärmt, die Aussengastronomie ist überall gut besucht, das Sonne genießen wird genossen, auf dem Weg zu meiner Unterkunft, ein erstes Staunen über die lange Schlangen vor einem Eiscafe.

Es muss einer der ersten Frühlingstage in München sein, vereinzelt an sonnengeschützten Stellen gibt’s noch immer Schneekleckse wie aus dem Bilderbuch, der Kanal zum Nymphenburger Schloss schlummert noch immer unter einer Eisdecke. Abends auf dem Weg vorbei an Schrebergärten berührt ein anderer malerischer Natureindruck, ein stilles Bild wie Sonne und Wolken verharren, verschmelzen, mit Ausnahme von wenigen Wildgänsen ist nichts in diesem Teil der Stadt zu hören.

Angekommen am Nymphenburger Schloss, Südliches Schlossrondell, ins Haus der Schweisfurth-Stiftung wird zum Naturphilosophischen Symposium-Abend geladen mit Hildegard Kurt, Shelley Sacks, David Abram, Andreas Weber, moderiert von Johannes Heimrath. Erstmal gibt’s die Wiedersehen mit Freunden und Kollegen, manch bekanntes Gesicht vom Oya-CampFestival 2012, Erinnerungsbilder von gemeinsamen Septembertagen bekommen wieder Leben eingehaucht, das Oya-CampFestival 2013 ist noch in der Vorbereitung.

Im Bann der sinnlichen Natur - Einladende liebevolle Wärme verströmen die anwesenden Menschen, ansonsten betrete ich einen gut gefüllten, unterkühlten, wenig einladenden Raum, das kalte Licht, zu viele Stahlträger, die sehr viel Sicht versperren, kalte Designelemente, im Materialdurcheinander will ich mich erst gar nicht verlieren, unangenehmes Raumklima, grenzwertige Raumakustik, meist unbequeme Stühle. Es gäbe eine Menge zu tun um aus diesem nicht wieder erkennbaren alten Gemäuer, einen achtsam, liebevoll, vielseitig nutzbaren Ort der Gastfreundschaft zu machen. Der Raum, heute, passt für mich gar nicht zum Untertitel der Seminar-Reise „ Wege in eine lebensfördernde Gesellschaft“. Vor uns liegen drei dichte geschenkte Stunden, intensive, bewegenden, poetisch, beglückende Gefühls- und Denkstimulationen, eine Einstimmung auf den 9.März, dann 10 Stunden plus..., zumindest kann mit diesem Text etwas an der Oberfläche gestreichelt werden – wer mehr eintauchen möchte in Geschichten von David Abram, dem empfehle ich den Kauf seiner Bücher, entweder im amerikanischen Original oder Im Bann der sinnlichen Natur gibt es in deutscher Übersetzung (16 Jahre nach der Erstveröffentlichung).

Eingeleitet wird der Abend mit einer herzlichen Begrüßung vom moderierenden Johannes Heimrath, gefolgt von einer nachdenklichen Begrüßung durch den Geschäftsführer der Schweisfurth-Stiftung, was konnte und was kann die Stiftung bewirken, kann mehr verändert werden als nur im Kleinen? Das Wechselbad der Gefühle aus Enttäuschung und Zuversicht lässt sich mit einer Bildsequenz wieder geben „Steter Tropfen höhlt den Stein“.

Danach folgen in dieser Reihenfolge Shelley Sacks, Hildegard Kurt, David Abram und Andreas Weber. Überwiegend sind es berührende theatralische, mal lautmalerische Geschichten, Mimik, Körpersprache, Sprachkomposition, kurze Gesänge, das Alles mit persönlichen Noten, eigenen Erfahrungen, mit Bescheidenheit, es entstand nie der Eindruck Weisheiten werden verkündet . Gefolgt von dialogischen Gesprächen zwischen Hildegard Kurt und Shelley Sacks sowie Andreas Weber und David Abram.

Es geht immer um individuelles Naturverständnis, -beobachtung, -verhältnis In Erinnerung geblieben sind mir folgende Fragmente: Staunen soll jeder von uns nicht für selbstverständlich nehmen, es muss teils wieder gelernt, entdeckt, geschätzt, gepflegt werden, glücklich sind diejenigen, die oft und öfter über Kleinigkeiten staunen, sich daran freuen können, ob’s Natur ist, ein Tier, ein menschliches Wesen, alles hat eine Seele selbst Steine. Um in der Flut bedrückender Nachrichten nicht unterzugehen, ist mehr notwendig als Willenskraft, wichtig zum Leben ist’s alle geschenkten Sinne zu nutzen, die Liebe zur Sache, mit Herz die Augen aufmachen, jedes Ding, jedes Lebewesen, jeder Mensch mit seinen Schwächen, Fehlern ist liebenswert, ist etwas besonderes. Zu lange waren wir mitgerissen vom Bann des Materiellen (wie zB dem achtlosen Bau von Strassen auf Kosten von Pflanzen, Tieren, Landschaften) eine Umkehrung ist wünschenswert entsprechend dem Buchtitel „Im Bann der sinnlichen Natur“.

David Abram zelebrierte seine Beobachtungen zu Vögeln, erzählte Geschichten von seinen Begegnungen mit Schamanen in verschieden Region der Welt, ihre Sicht alles lebt, auch ein Stück Fels, Luftschwingungen, da alles lebt, hat alles eine Seele, alles spricht, erzählt Geschichten, wie lernen wir ihnen zuzuhören? Andreas Weber stellte die Frage: Was ist Leben? Ist es Magie, wenn Magie verschwindet, verschwindet dann auch das Leben? Er fragt, ob eine Gleichung aufgemacht werden kann? Magie = Poesie = Leben ist das in der Folge Magische Biologie? Er führt das weiter aus in Bezug auf gesprochene und geschriebene Worte, sie können streicheln, beglücken, mit Worten kann man auch verletzen. Mit Worten achtsam umgehen ist wichtig. - Ihr kennt das von Harriet, wie sie achtsam ihre bezaubernden Wortkompositionen wählt, damit umgeht in ihren Texten und Ankündigungen. Ihre Worte berühren, machen in ihrer Wärme neugierig, sind liebenswert, einladend, gastfreundlich, achtsam gewählt. Wir erschaffen uns immer wieder auf’s Neue, durch ganz viele Nuancen, Fragen, Richtungswechsel, Blickrichtungen, Begegnungen, neue und verlorene Beziehungen, .... das kann auch schief gehen, es geht bestimmt auch irgendwann schief. - Finde das eine schöne Umschreibung, dass das Sterben Teil eines jeden Lebens ist. Alles hat ein Bedeutung für uns, ein Hauch, eine Begegnung, auch in Pflasterstein, ...

Nach einer Pause dem Nachwirken der bisherigen Beiträge, warf Johannes Heimrath die Frage auf, ob es nicht Zeit ist auch von Poetischer Wissenschaft zu sprechen, einer Wissenschaft der ersten Person. Aus vierstimmigen Anmerkungen kam die Frage auf, ob wir mehr Fragen aus unserer Sicht stellen müssen, uns nicht als Teil einer Gruppe sondern als Individuum. Aus der persönlichen Sicht und sich nicht verstecken hinter Weisheiten. Wenn wir Veränderungen wünschen, sollte eine Frage an sich selbst sein, welchen Stellenwert, welche Bedeutung hat das für mich? Erst dann kann die Frage nach dem für uns kommen. Durch Eigenverantwortung können wir zu Wahrnehmungen kommen aus denen jeder einzelne Mut für Veränderungen schöpfen kann.

Zum Achtsam sein gehört auch, dass die Umwelt ein Teil von uns ist, der Wald, der Fluss ist ein Teil von mir, wenn diese verschwinden, verschwindet nicht nur ein Lebensraum, sondern auch ein Teil von mir.

In Voltaire’s Candide steht sinngemäß: „Wir müssen den eigenen Garten kultivieren“ in diesem Fall trägt Individualität auch zum „Reichtum“ bei. Es kam die Frage auf, welche Bedeutung haben Ideen, Wissen, wenn diese/s nicht in Schriftsprache geformt und festgehalten werden.

Zum Ausklang: der Ton des Abends, Stimm(ungs)klänge könnt ihr auch, auch mit Freunden machen und mit Freude.

 

Lieben Dank, Georg Dietzler, von Herz zu Herz. 

Ich bin Unterstützer: Das Konzert der Stille ist und bleibt in meiner Wahrnehmung ein Geschenk an die Welt. Für die hochwertigen Gastbeiträge und für die oftmals umfangreichen Programmier-Leistungen bemühe ich mich stets um einen Wertausgleich. Wer mir dabei helfen möchte, den bitte ich um seine frEURO auf das Konto Harriet Oerkwitz/ Konzert der Stille, bei der DKB 120 300 00, Kontonummer 1012644777, Betreff: „Ich bin Unterstützer“. Da das Konzert der Stille nicht als gemeinnützige Organisation bewertet wird und somit nicht die Voraussetzung der § 68 ff der Abgabenordnung erfüllt, stelle ich keine Spendenbescheinigungen aus.
SCHLÜSSELWÖRTER 
IM BANN DER SINNLICHEN NATUR, GEORG DIETZLER, SYMPOSIUM, OYA, JOHANNES HEIMRATH, DAVID ABRAM, HILDEGARD KURT, SHELLEY SACKS, ANDREAS WEBER
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