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VON HARRIET OERKWITZ
11. AUGUST 2012

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

Einführung in die Mantra-Praxis von Gertrud Hirschi

Cover-Abbildung
Cover: random house

„Im Mantra entfaltet sich der Klang, die Essenz des Klangs ist die Stille und die Stille birgt die Erfahrung Gottes“ – mit diesen Worten öffnet Gertrud Hirschi ihr erstes Buch über die Mantra-Praxis. Die Schweizer Yogalehrerin, die meine Aufmerksamkeit bisher über ihre Yoga- und Mudra-Bücher gewann, wendet sich in dem 300 Seiten starken Taschenbuch den heiligen, magischen Worten und deren Kraft für Gesundheit, Erfolg und spirituelle Entwicklung – und somit der Stille – zu.

 

Sprache der Veden

 

Die meisten klassischen Mantras stammen aus der Sprache der Veden, den ältesten Schriften des Hinduismus, und sind wahrscheinlich mehr als 6000 Jahre alt. „Das Mantra ist ein Werkzeug, das dem denkenden Menschen Hilfe, Rettung, Schutz und Zuflucht gibt; ihm weiter Befreiung von Anhaftendem (z.B. Sorgen, Ärger, Trauer) und Läuterung, Reinigung und Klarheit schenkt. Und ihm eine klare Sicht ermöglicht für das, was wichtig, richtig, sinnvoll, gut und schön ist.“ Inhaltlich bündelt ein Mantra sechs Aspekte, so Gertrud Hirschi: Der Sinn wurde durch einen heiligen, erleuchteten Seher enthüllt; er folgt einem Versmaß (Matra); ist einer Gottheit (Devata) geweiht; hat stets eine Keimsilbe (Bija), die die Essenz des Mantras birgt; besitzt eine jeweilige Energie (Shakti) und offenbart sich, wenn sich der Verschluss (Kilaka) durch das hingebungsvolle Wiederholen öffnet.

Gertrud Hirschi sammelt in ihrem Buch zahlreiche Mantras aus unterschiedlichen Religionen und umarmt liebevoll Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus: „Es gibt kaum ein Naturwolk, das nicht die Kraft der Worte kennt. Es wird mit Worten gesegnet, gebannt, geflucht, gezaubert“, so Hirschi. Jeder Buchstabe, jeder Vokal, jeder Konsonant, jede Silbe hat dabei ihre eigene Schwingung. Beim Sprechen und Singen der Mantras dringen wir mit den Tönen, Klängen, Lauten und Sounds auf die Raumschwingungen um uns und erfüllen und beladen deren Atmosphäre und Energie. „... und diese aufgeladene Stille dringt weiter in unseren Tiefen – in unsichtbare, nicht mehr wahrnehmbare Räume, die unser ganzes Dasein bestimmt.“

 

Ein Zusammenspiel aller Frequenzen

 

Denn auch die menschlichen Zellen besitzen eine natürliche Frequenz. Ein ausgewogenes Zusammenspiel aller Frequenzen – um und in uns – steht für Getrud Hirschi gleichbedeutend für den Prozess „gesund sein“ in Körper, Geist und Seele. „Ein verstimmtes Instrument tönt doch grässlich, und ein verstimmter Mensch ist auch nichts Angenehmes...“

Entscheidend für den Zustand, das alles stimmt, sind dabei zwei natürliche, göttliche Gesetzmäßigkeiten: Zum Einen, so Hirschi, versuchen sich zwei unterschiedliche Schwingungsfelder immer einander anzugleichen, wobei sich das Schwache und Kranke am gesunden Impuls orientiert, sich also auf die Heilung ausrichtet. Zum Anderen steht diesem Prozess stets eine ordnende ausgleichende Kraft im Sinne einer großen Harmonie über. Deshalb ist es für die Aspiranten unabdingbar, mit welcher Haltung, Absicht oder Ausrichtung, mit welcher Hingabe und Respekt sie die Mantras nutzen: „In jedem Wort steckt die Energie der Manifestation – Worte werden wahr.“

 

Mein Mantra findet mich

 

Haben wir unser ureigenes Mantra gefunden – das Mantra kommt auf uns und auf unsere aktuellen Fragen an unser Leben zu, wir müssen es nicht von einem Guru übertragen bekommen –, wird es von uns allein in einem Ritual (wunderschöne Beschreibungen finden sich auf Seite 67) eingeweiht. Das Mantra wird dann an 42 hintereinander folgenden Tagen 108 mal am Morgen oder über den Tag verteilt gesprochen, gesummt, geflüstert, gedacht oder schriftlich rezitiert. Vergessen wir einen Tag, beginnen wir wieder mit Tag 1.

Neben Tipps zur richtigen Aussprache, Betonung, Körper- und Handhaltung finden wir in dem Buch von Gertrud Hirschi unterschiedliche Ideen und praktische Anreize, die Mantras mit in unseren Sport, am Arbeitsplatz, bei alltäglichen, unfreiwilligen Auszeiten – wie Staus, Teekochen, Zeit am Kopierer oder an der Kassenschlange – zu integrieren.

 

Wirkungen der Mantras

 

Dass es sich lohnt, diesen reinigenden, regenerierenden Prozess in unser Leben einzuladen, zeigt Hirschis Zusammenstellung der positiven Wirkungen der Mantras auf den Körper, auf die geistige-seelische Ebene und auf unseren spirituellen Wachstum. Ich zitiere in Auszügen: a) Es lässt den Atem tiefer und voller werden. b) Es beeinflusst den Herzschlag, die Pulsfrequenz und den Blutdruck. c) Es reduziert Verspannungen. d) Es aktiviert das Immunsystem und hebt die Körpertemperatur. e) Es regt die Verdauungsorgane an. f) Es reduziert Stress auf allen Ebenen. g) Es beschleunigt den Stoffwechsel. I.) Es steigert die Lern- und Merkfähigkeit. II.) Es beruhigt die Hirnströme und aktiviert die Ausschüttung der Glückshormone. III.) Es schenkt inneren Frieden und Freiheit. IV.) Es reduziert Wut, Ärger, Ängste; steigert Geduld, Geborgenheit, Gelassenheit und Zuversicht. V.) Es unterstützt die Entfaltung der Persönlichkeit und öffnet den Zugang zum Kreativpotential. 1) Es reinigt und löst vom alten Karma. 2) Es löst von Zuviel Anhaftung am Materiellen. 3) Es steigert die Sensibilität für „höhere“ Wahrnehmungen. 4) Es schenkt Stabilität und Flexibilität. 5) Es schützt vor negativen Einflüssen und führt zu seelischem Gleichgewicht und Zentriertheit.

Angenehm an der Einführung in die Mantra-Praxis von der Expertin auf den Gebieten Yoga, östliche Philosophie und asiatische Spiritualität ist die allgemeine „Es kann, nichts muss“-Haltung und die stets präsente Aufforderung für die Stärkung und Bewusstwerdung der eigenen Liebe und Verantwortung für sich selbst. Mehrfach verweist sie auf das Göttliche in uns, auf das Neutrale, auf die eigenen Chancen und Potentiale.

 

Mit Liebe und Humor

 

Neben dem tiefen Hintergrundwissen zeigt sich Gertrud Hirschi ihrem Publikum und erzählt offen über ihre Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Mantra-Themen – sympathisch, humor- und liebevoll. Und dort, wo es ungezählte Interpretationen und oftmals Aberglaube gibt, tritt sie einen Schritt zurück und lässt uns Lesern den Raum für unser eigenes Verstehen und Begreifen.

Auch ich habe „gezielt“ und „zufällig“ wunderschöne Mantras empfangen, die ich gern um mich hören und spüren möchte. Ich danke von Herzen und wünsche und hoffe, dass das Bewusstsein für die Bedeutung von Stimmungen, Atmosphären und Energien wächst und wir uns leichter und voller Freude aufeinander einstimmen lernen. "Lokah Samastah Sukhino Bhavantu" – Mögen alle Welten gesegnet und glücklich sein.

 

Gertrud Hirschi: Mantra-Praxis. Worte der Kraft für Gesundheit, Erfolg und spirituelle Entwicklung. Erschienen am 16. Juli 2012, randomhouse.

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SCHLÜSSELWÖRTER 
MANTRA PRAXIS, YOGA, ATEM, STIMME, FREQUENZ, GERTRUD HIRSCHI, HINDUISMUS, BUDDHISMUS, JUDENTUM, CHRISTENTUM, ISLAM, KLANG, WORTE
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