Mimis Reise
Geschichtenlieder vom Hamburger Musikpädagogen Leonard Hahn
Einfach machen es die VG Musikedition und die GEMA den Kindertagesstätten und ihren musikalischen Früherziehern nicht: Sie dementieren die häufig unreflektierten Berichterstattungen, sie würden hohe Tantiemen-Beträge für das Singen in Kindergärten verlangen oder das Singen gar verbieten. Das reine Musizieren in vorschulischen Einrichtungen ist kostenfrei. Dennoch treiben die Verwertungsgesellschaften Kopier-Lizenzen ein; die niedrigste Tarifstufe beginnt bei 500 Kopien für EUR 44,80/Jahr.
Kopier-Lizenzen in Kitas
Das hat in den vergangenen Monaten zu lebhaften Diskussionen in Funk und Fernsehen geführt. Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen stehen derzeit in Verhandlungen über einen Pauschalvertrag, der die Vervielfältigung von Noten und Liedtexten in Kindergärten regelt. Auch sieben weitere Bundesländer haben Interesse an einer entsprechenden Vereinbarung angemeldet. Dies bleibt ein schwieriges Unterfangen, denn Kindergärten haben unterschiedliche Träger, wie beispielsweise Kommunen, Gemeinden, Kirchen oder Wohltätigkeitsorganisationen. Auch variieren sie in ihren Gruppenstärken und somit ihrem Kopier-Bedarf.
Ausschließlich der Freistaat Bayern hat sich klar positioniert: Die kommunalen Spitzenverbände übernehmen rückwirkend seit dem 1. Januar 2011 für alle Kindertageseinrichtungen des Landes die Vergütung für das Kopieren von Noten und Liedtexten. Das entspricht einer jährlichen Pauschale in Höhe von 290.000 Euro.
Auch müssen die Musikpädagogen darauf achten, dass ihr Liedmaterial traditionell und somit nicht mehr urheberrechtlich geschützt ist. Zur Erinnerung: Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod der Komponisten, Textdichter oder Bearbeiter. Werke jüngerer Urheber, die ihre Rechte an eine Verwertungsgesellschaft übertragen haben, sind hingegen geschützt und dürfen nur mit Lizenz öffentlich aufgeführt werden.
Musik mit Leonard
Sind diese Klippen umschwommen, tut sich häufig eine weitere Herausforderung auf: Finde ich die passenden Lieder zu modernen und zeitgerechten Thementagen und Feiern in den Kitas?
So ging vor einigen Jahren Musik-, Chor- und Ensembleleiter Leonard Hahn – unter seinem Arbeitstitel „Musik mit Leonard“ erteilt er Musikunterricht an zahlreichen Kitas und Grundschulen in Hamburg – auf die Suche nach Songs für einen Faschingsnachmittag „Unterwasserwelten“. Wie so oft griff er selbst zur Gitarre und Djembe und improvisiert und komponiert für den Tag einen eingängigen Song: Die Melodie von „Im Wasser“ entstand.
Inzwischen ist „Mimi auf Reisen“: Neun Geschichtenlieder und die erzählten Meeres-Abenteuer von Mimi und ihren Freunden wurden u.a. aufwändig von zahlreichen Helfern und befreundeten Musikern eingespielt und eingesungen, im Boogiepark Studio in Hamburg produziert und auf CD „Mimis Reise“ gepresst. Das gleichnamige Programm wurde in verschiedenen Kindergärten aufgeführt und erprobt. Das Projekt hat vielerorts Aufmerksamkeit gewonnen.
Mimi die quirlige Möwe – eingesungen von der inzwischen elfjährigen Zeynep Sayar – und ihre Freunde – die großen, kleinen, dicken und dünnen Fische – fliegen und schwimmen einmal quer über den Planeten von Norden nach Süden. Dabei begegnen ihnen nicht nur allerlei lustige und musikalische Kameraden, wie Bobby der Blauwal, Denny der Delfin, Möwenkumpel Tim, Marina die Meeresschildkröte oder Freddy der Feuerfisch, sondern auch Plastikflaschen, Ölspuren im Sand und schmelzende Pole. Mimi und ihre Freunde zeigen, wie schön die Erde mit ihren Bewohnern ist, wenn wir unsere Umwelt schützen und pflegen. Der spielerische, leichte Umgang mit dem eher ernsten Thema hat bereits Anklang bei Umweltschulen gefunden und sensibilisiert für das notwendige Gespräch in den Familien daheim.
Technik versus Emotionen
Eingängige Refrains und Rhythmen, starke Hooks, unvergessliche Melodien, per Hand eingespielte Instrumente und die hohe Qualität der Produktion zeichnen das Projekt aus. Zwischen den Tönen ist die Freude und die warme Stimmung im Tonstudio zu hören: „Oft haben wir improvisierte Moment-Aufnahmen stehen gelassen, weil sie Spaß machen. Die Kinder können sich in einer lockeren Abenteuer-Atmosphäre besser in die Tiere einfühlen“, so Leonard.
Technik versus Emotionen: Die Prämisse des 34jährigen Musikerpädagogen hat Erfolg. Die CD wird u.a. nach den Aufführungen in den Kindergärten weitergereicht und beschallt inzwischen zahlreiche Hamburger Haushalte. „Ich wurde von den Eltern gefragt, ob ich die Lieder und Texte gegoogelt habe“, lacht der sympathische Wahlhamburger aus dem Stuttgarter Raum. „Ich denke, das kann ich als Kompliment verstehen.“ Und so haben in diesem Artikel weder ich noch die GEMA, die künftig die Autorenrechte von Leonard Hahn vertritt, das letzte Wort. Sondern Mimi, einfach Mimi:









