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VON HARRIET OERKWITZ
22. MÄRZ 2012

Schmetterlinge kann man nicht umarmen

„Hochsensibilität verstehen“ mit Reimar Lüngen – ein Seminarrückblick

Quelle: Reimar Lüngen

Sie ist scheu, hochsensibel.

Unachtsamkeit nimmt sie dir übel.

Sie ist zart besaitet, sehr verletzlich.

Grobheit kränkt sie entsetzlich.

Sie hat lange Nächte in der Dunkelheit verbracht

und erst vor kurzem ist sie aufgewacht.

 

Schmetterlinge kann man nicht umarmen,

aber sie entfalten sich im sanften, warmen

Sonnenschein

ganz von allein, ganz von allein.

 

Sie ist lange auf dem Boden gekrochen,

und beinah wär sie dran zerbrochen.

Sie hat viel zu viel in sich reingefressen

und darüber fast ihren Traum vergessen.

Sie hat viel zu lange geschwiegen

von ihrer heimlichen Sehnsucht zu fliegen.

 

Ich will sie liebevoll betrachten,

sie wertschätzen, sie suchen, sie beachten.

Viel zu oft hab ich sie übersehen,

konnte ihr Wesen nicht verstehen.

Heute weiß ich, warum sie sich versteckte

und wartete bis ich sie entdeckte.

 

Schmetterlinge kann man nicht umarmen ...

 

Mit diesem Lied der Würzburger Liedermacherin Stefanie Schwab öffnete am vergangenen Donnerstag der Berufungscoach Reimar Lüngen sein Seminar „Hochsensibilität verstehen“ in der Hamburger Kommunikationsküche. Obwohl sich der Workshop auch an Nicht-Hochsensible richtet, waren an diesem Abend ausschließlich Menschen anwesend, die durch einen Test (Das Konzert der Stille berichtete über Hochsensibilität und veröffentlichte einen Test.) ihre Hochsensibilität bereits bestätigt wissen und – das war eher ungewöhnlich – mehr Männer als Frauen.

Das Seminar fand in einer besonders herzlichen Atmosphäre statt. Es ließ viel Raum für die eigene Erlebens- und Erfahrungswelt. Die Teilnehmer entwickelten über die Begriffsdefinition, die bereits 1996 von der amerikanischen Psychologin Elaine Aron formuliert wurde, eine gemeinsame Verständigung über ihre Hochsensibilität, indem sie konkrete Lebenssituationen diskutierten und vorstellten. Sie kamen untereinander ohne Ratschläge aus und fühlten sich durch Zuspruch und Mitgefühl gesehen.

Erklärtes Ziel ist es, so Reimar Lüngen, in Vertraulichkeit und Wertschätzung die jeweiligen Bedürfnisse zu ergründen und diese angemessen zu kommunizieren.

Hochsensibilität ist eine besondere Disposition des Wahrnehmungssystems, die es den Betroffenen ermöglicht, mehr wahrzunehmen als andere und das Wahrgenommene gründlicher zu verarbeiten. Die Herausforderung liegt in der damit verbundenen schnelleren Gereiztheit und Überstimulation, die dann zum Rückzug in die Stille führt.

Diese eigenen Grenzen und Befindlichkeiten gilt es, achtsam nachzuspüren. Dazu gehört es, rechtzeitig zu erkennen, wann man für sich sein möchte, bevor die Erschöpfung eintritt.

Reimar Lüngen konzentriert sich bei seinem Coaching darauf, die Fähigkeiten der Hochsensiblen als Schätze und Gaben zu begreifen und er hilft dabei, diese Fertigkeiten in der jeweiligen Arbeitssituation konkret zu formulieren und zu verhandeln. Der Reichtum der Stärken sei demnach eine „Wiedergutmachung für ihre Herausforderungen“, so der „Schatzsucher“. Es geht nicht darum, einen Job um jeden Preis zu bekommen, wenn der Preis für Hochsensible in einer lauten, weniger achtsamen Umgebung  - Stichwort: Großraumbüro - viel zu hoch ist.

Was also brauchen Hochsensible, um Höchstleistungen zu bringen? „Ruhe, Spaß, Sinn“, antwortet Reimar Lüngen: Sich zum Beispiel mit kleinen Auszeiten belohnen. „Es ist kein Egoismus, sondern dringend notwendig, damit wir nach einer Pause wieder für andere da sein können“, so der Coach. Er rät, dem eigenen Rhythmus konsequent nachzugehen und zu lernen, mit gutem Gewissen „nein“ zu sagen, wenn Grenzen erreicht sind. Alle Betroffenen sollten sich ihre eigenen Termine im Kalender eintragen. Das können zum Beispiel Termine für Spaziergänge, für die Meditation, für den Garten oder für den Ausflug in die Natur, für ein Gebet, für Sport und Musik oder für einen erholsamen Mittagsschlaf sein. Reimar Lüngen schlägt außerdem vor, sich in diesem Zusammenhang aufmerksam nach Hobbies umzuschauen.

Ein entscheidender Moment, ob Hochsensible mit ihren Handlungsspielräumen und Wahrnehmungsräumen glücklich leben, ist, wenn sie in ihrem Tun und ihrem Sein das Sinnstiftende und das Wertschöpfende entdecken. Sie benötigen weder Mitleid noch Opferhaltungen und sollte diese auf keinen Fall von anderen einfordern. „Hochsensibilität ist keine Ausrede, die man wie eine Bugwelle vor sich herschieben kann“, so Reimar Lüngen. Er versteht diese besonderen Gaben viel mehr als Notwendigkeit: „Hochsensible sichern das Überleben unserer Gesellschaft. Früher fungierten sie als Ratgeber, Weise und Berater. Heute werden sie – wenn sie in ihren Stärken leben -  ebenso ihren Platz in der Welt finden.“ Dafür stehen ihnen jeden Branchen und Berufsfelder offen.

 

Das kommende Seminar „Hochsensibilität leben“ findet am Donnerstag, am 12. April 2012, um 19.30 Uhr in der Hamburger Kommunikationsküche, Kegelhofstraße 49, statt.

 

Ich bin Unterstützer: Das Konzert der Stille ist und bleibt in meiner Wahrnehmung ein Geschenk an die Welt. Für die hochwertigen Gastbeiträge und für die oftmals umfangreichen Programmier-Leistungen bemühe ich mich stets um einen Wertausgleich. Wer mir dabei helfen möchte, den bitte ich um seine frEURO auf das Konto Harriet Oerkwitz/ Konzert der Stille, bei der DKB 120 300 00, Kontonummer 1012644777, Betreff: „Ich bin Unterstützer“. Da das Konzert der Stille nicht als gemeinnützige Organisation bewertet wird und somit nicht die Voraussetzung der § 68 ff der Abgabenordnung erfüllt, stelle ich keine Spendenbescheinigungen aus.
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