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VON HARRIET OERKWITZ
10. JUNI 2011

Über die Bedeutung der Pausen in der Musik

Das Konzert der Stille lädt zu einer Podiumsdiskussion ein

Neben der Ruhe, dem leiblichen Aspekt der Stille, und dem Schweigen, dem sprachlichen Aspekt der Stille, sind Pausen der musikalische Aspekt der Stille. Was hören wir in der Stille? Hören wir alle das Gleiche? Was spüren und erleben wir in musikalischen Pausen? Womit assoziieren wir Stille?

Auch wenn in ihnen kein akustisches Ereignis stattfindet, verfolgen Pausen in der Musik eine Absicht. Sie tragen Sinn, verweisen auf etwas und sind ebenso von großer Bedeutung wie die klingenden Noten des Musikstücks. Entscheidend ist stets der Kontext, in dem die musikalischen Pausen notiert sind: Ohne diesen Struktur gebenden Zusammenhang lassen sich Pausen nicht untersuchen. Was empfindet die Pauke bis zu ihrem Schlag? Wie halten Orchestermusiker ihre innere Spannung bis zu ihrem nächsten Einsatz? Schweigt eine Stimme oder baut das gesamte Ensemble einen dramatischen Bogen bis zur Generalpause auf? Symbolisiert die Pause im Libretti etwas Unsagbares, Unaussprechliches, Unbegreifliches in der Operngeschichte? Wofür steht Stille? Oder wogegen? 

Auch vor der Musik machen Pausen einen Sinn: Stille dient hier der Konzentration und erhöht die Aufmerksamkeit – die des Musikers und die des Zuhörers gleichermaßen. Ankommen, innehalten, an uns selbst orientieren und unseren eigenen Impulsen folgen. Was empfangen wir? Wohin führen uns Spontaneität und Kreativität? Stille schafft Raum. Sie ist Nährboden für Musik, Sprache, Bewegung.

Das Ausklingen und -schwingen von Musik bis zur endgültigen Stille hat einen besonderen emotionalen Gehalt. Harmonie, Geborgenheit, Schönheit oder Entladung, Katharsis, Abschied: Die Ruhe nach der Musik ist geprägt von ganz unterschiedlichen Klängen und Stimmungen.

Pausen vor, in und nach der Musik

 

Was wir in den Pausen in der Musik tatsächlich hören, ist von unserer Aufmerksamkeit, die wir Stille schenken, und unseren Erfahrungen und Hörgewohnheiten abhängig. Die Zeit, in der wir unsere ersten Erlebnisse mit dem Wechselspiel von Klang, Rhythmus und Stille machen, ist die im Mutterleib. Der Herzschlag der Mutter ist neben unserem eigenen Puls der elementare Maßstab. Das Klangmuseum, Haus der Musik in Wien, hat einen Raum entwickelt, in dem diese akustischen Eindrücke nachempfunden werden. Wie erleben wir Verzögerungen, Beschleunigungen, Wechsel der Tempi? Was geschieht mit uns fernab der 60 Taktschläge pro Minuten, die einem langsamen, entspannten Herzschlag entsprechen?

Stille in der Musik ist relativ: Sie wird von äußeren, akustischen Gegebenheiten und von innerlichen Sinnenempfinden und -erleben geprägt. Umso spannender ist es, welche Bedeutung jeder Mensch den Pausen in der Musik gibt. Was nehmen zum Beispiel Synästhetiker in den Pausen wahr? Verstehen wir uns durch die Pausen? Sind wir in der Stille in Resonanz?

Das Konzert der Stille bietet seinen Lesern einerseits einen Raum zur Selbsterfahrung mit Pausen in der Musik an. Die gleichnamigen Veranstaltungen in der Kirche der Stille in Hamburg-Altona laden zur Meditation und musikalischen Improvisation ein. Seminare und Vorlesungen über die Bedeutung der Pausen in der Musik erlauben andererseits die Reflektion und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen und mit der Wirkung von musikalischer Stille. In diesem Zusammenhang lädt das Konzert der Stille zu einer Podiumsdiskussion ein. Diese findet in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 2011 statt und fügt sich in die Veranstaltungsserie „Ereignis Stille“, initiiert von der Hamburger Stadtmission, ein.

Nähere Informationen zum Programm folgen.

Ich bin Unterstützer: Das Konzert der Stille ist und bleibt in meiner Wahrnehmung ein Geschenk an die Welt. Für die hochwertigen Gastbeiträge und für die oftmals umfangreichen Programmier-Leistungen bemühe ich mich stets um einen Wertausgleich. Wer mir dabei helfen möchte, den bitte ich um seine frEURO auf das Konto Harriet Oerkwitz/ Konzert der Stille, bei der DKB 120 300 00, Kontonummer 1012644777, Betreff: „Ich bin Unterstützer“. Da das Konzert der Stille nicht als gemeinnützige Organisation bewertet wird und somit nicht die Voraussetzung der § 68 ff der Abgabenordnung erfüllt, stelle ich keine Spendenbescheinigungen aus.
SCHLÜSSELWÖRTER 
PAUSEN IN DER MUSIK, KLANGMUSEUM, EREIGNIS STILLE, HERZSCHLAG, STILLE
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