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VON HARRIET OERKWITZ
24. JUNI 2011

Unser Gehirn braucht eine Atempause

Das Konzert der Stille im Gespräch mit Terlusollogin Sylvia Dimer

Terlusollogin Sylvia Dimer
Quelle: Sylvia Dimer

Prüfungsstress: Knallroter Kopf, piepsige Stimme, flache Atmung. Der komplette Vorrat an Sauerstoff jagt durch unseren Körper in die Muskulatur. Weglaufen können – diesen Reflex hat die Natur in uns eingepflanzt. Zur Sicherheit.

Die Vorsichtsmaßnahme hat in der heutigen Gesellschaft keinen großen Nutzen mehr. Stress ist permanent und chronisch. Anspannung ist normal und „gut situiert“. Die enge Jeans und die krumme Sitzhaltung hinter der Schulbank oder am PC tuen ihr Übriges und klemmen unser Zwerchfell ein. Frische, Energie und Kraft aus einem Atemzug holen – das haben wir verlernt.

Dabei ist es in dieser unübersichtlichen und spannungsgeladenen Atmosphäre wichtig, sich Atempausen zu gönnen. Mitten am Tag. Als Geschenk an uns selbst.

Und das ist eine bewusste Entscheidung.

Wann man die Pausen zwischen dem Ein- und dem Ausatmen macht, wie man Kraft und Energie aus seiner Atmung schöpft und wie man dieses Potential für sich bestmöglich nutzt, weiß Sylvia Dimer. Sie hat in Hamburg das Haus für Stimme und Persönlichkeit gegründet und begleitet ihre Klienten – Musiker, Instrumentalisten, Schauspieler, Juristen und alle, die etwas für sich tun möchten – beim Erlernen und Erspüren ihres Atems. Dabei legt sie großen Wert darauf, dass die Säulen Atem, Stimme und Persönlichkeit ganzheitlich berücksichtigt werden. „Sie berühren die elementaren Bereiche unseres Seins und gehören zusammen“, argumentiert Dimer.

„Wenn wir in unserem spezifischen Atemtyp leben und das Alltägliche, wie zum Beispiel Sitzen, Stehen, Liegen, Gehen, der Atmung unterordnen, sind wir vitaler und schaffen uns eine Grundlage, gesund zu bleiben. Wenn wir nicht richtig atmen, versorgen wir uns nicht richtig“, so die ausgebildete Sängerin und psychologische Beraterin.

Sylvia Dimer wendet in ihrer Arbeit neben dem Konzept The Work (Byron Katie) und den klassischen Methoden und Techniken der Atem- und Stimmbildung auch die Lehre von Erich Wilk, kurz: die Lehre der Terlusollogie, an. Diese unterscheidet zwischen aktiven Einatmern und aktiven Ausatmern, also zwischen Polaritäten. Auf diese Atem- und Konstitutionstypen ausgerichtete Ernährungstipps, Körperhaltungen und –übungen werden geschult und achtsam in den Alltag integriert. Sylvia Dimer weiß von deren Notwendigkeit: „Essen, Trinken, Schlafen im Entzug überleben wir einige Tage – das richtige Atmen fördert unsere gesamte Kondition. Eine Unausgeglichenheit in der Atmung ist sofort hörbar, sichtbar, spürbar.“

Das Verständnis für die Bedeutung der Atmung wird in angeleiteten Meditationen oder beim Yoga deutlich, wenn der Atem in den Mittelpunkt der Konzentration oder Innenschau rückt und geführt wird. Zur Vorsicht rät Sylvia Dimer dennoch: „Ein aktiver Einatmer wird zum Beispiel aufgefordert, langsam und kraftvoll auszuatmen. Ganz im Unterschied zu seinem Atemtyp und seinem eigentlichen Gespür. Nun wird er nach der Yogastunde nicht sagen, ich fühle mich gänzlich schlecht. Dennoch spürt er, dass er sich enorm anstrengen musste, Kraft verloren hat, sich schlapp fühlt.“ Die Qualität und der Moment der Atmung sind ebenso entscheidend.

In welchem Atemtyp man Luft holt und entspannt ausatmet, errechnet Sylvia Dimer auf Grundlage des Geburtstagstages und der –geburtsstunde. Einen kurzen Selbsttest, eine Auflistung der Terlusollogen in Deutschland und weitere Literaturempfehlungen finden sich hier.

Ob wir aktiv ein- oder ausatmen, in dem lebenswichtigsten Prozess braucht unser Gehirn eine Pause. Nämlich dann, wenn es von Aktivität in Passivität umschaltet. Diese Pause in der Atempause – genießen wir sie. Mitten am Tag. Als Geschenk an uns selbst.

Im Gespräch mit Sylvia Dimer. Livemitschnitt.

Ich bin Unterstützer: Das Konzert der Stille ist und bleibt in meiner Wahrnehmung ein Geschenk an die Welt. Für die hochwertigen Gastbeiträge und für die oftmals umfangreichen Programmier-Leistungen bemühe ich mich stets um einen Wertausgleich. Wer mir dabei helfen möchte, den bitte ich um seine frEURO auf das Konto Harriet Oerkwitz/ Konzert der Stille, bei der DKB 120 300 00, Kontonummer 1012644777, Betreff: „Ich bin Unterstützer“. Da das Konzert der Stille nicht als gemeinnützige Organisation bewertet wird und somit nicht die Voraussetzung der § 68 ff der Abgabenordnung erfüllt, stelle ich keine Spendenbescheinigungen aus.
SCHLÜSSELWÖRTER 
SYLVIA DIMER, TERLUSOLLOGIE, ERICH WILK, THE WORK, BYRON KATIE, ATEM
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3 KOMMENTAR(E)

Terlusollogie ist ein interessanter Ansatz, von dem ich bisher nicht gehört hatte.

Aus der Praxis der Meditation im Shambhala-Zentrum (in Hamburg) kenne ich die "Polarität" von Ein- und Ausatmen und weiß, dass ich dem Ausatmen mehr Aufmerksamkeit schenken soll, weil ich spontan eher achtsam einatme. Den Test habe ich nun bei Konzert der Stille gemacht und... ich bin ja ein Einatmer.

Ich freue mich über diesse Magazin, bei dem ich in dieser Ausgabe die Musik selbst etwas vermisse. "Beyond" und Björn Missal habe ich mir angehört, vergebens suchte ich aber nach einer guter Aufnahme der Klangschale. Zu diesem Punkt möchte ich noch sagen, dass man sehr darauf aufpassen muss, den Zusammenhang von Musik und Spiritualität nicht allein durch sogenannte "meditative Musik" zu konkretisieren. Diese Musik ist normalerweise kompositorisch anspruchslos und eignet sich nicht als Objekt einer Meditation.

Vielen Dank für das Magazin, ich habe es unter Favoriten gespeichert.

 

Muricio Isaza-Camacho
am 
15. Juli 2011

Vielen Dank für Ihr Feedback und die verschiedenen Ansätze und Impulse.

 

Tatsächlich kann das Magazin - gestern wurde es einen Monat alt - auf keinen Fall einen umfänglichen Überblick über die vielen Formen der Musik, ihre Wirkungen oder Arbeitsbereiche geben. Das Spannungsfeld, welches hier aufgespannt werden soll, ist riesig. Das ist eben auch der Reiz und die Freude. Es wächst...

 

... ganz besonders mit Ihrer Hilfe. Mir scheint, als hätten Sie konkrete Ideen, welche Kompositionen sich für die Verdeutlichung des Zusammenhangs von Musik und Spiritualität eignen. Vielleicht mögen Sie mir etwas schicken oder wir tauschen uns aus? Ich bin sehr neugierig. Arbeiten Sie vielleicht selbst mit Musik? Komponieren Sie?

 

Zum Thema gute Klangbeispiele für Klangschalen. Es gibt eine (teils) kostenlose App, die ich ausprobiert habe - ausgestattet mit Timer oder Wecker.

 

Ansonsten werde ich beim Klangkongress in Dortmund (September) versuchen, selbst ein paar saubere Töne aufzunehmen. 

 

Ich danke herzlich.

 

Harriet Oerkwitz

 

Harriet Oerkwitz
am 
15. Juli 2011

Lieber Herr Muricio Isaza-Camacho,

auch von mir noch ein vielen Dank an Sie für Ihren Beitrag zum Thema Terlusollogie! Es ist für mich immer wieder großartig davon zu hören, wenn Menschen wie Sie durch Achtsamkeit mit ihrer Atmung für sich feststellen können, was sie in ihre naturgegebene Kraft bringt. Wenn wir das Thema der typengerechten Atmung als Grundlage erfahren, bemerken wir in der Regel wieviel mehr Energie und Vitalität uns zur Verfügung steht. Falls Sie über das Thema Terlusollogie noch mehr erfahren möchten, schreiben Sie mir gerne über meine Internetseite eine Mail!

 

Herzlichen Gruß

Sylvia Dimer

Sylvia Dimer
am 
05. August 2011

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