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VON HARRIET OERKWITZ
18. JULI 2012

Unser Image kreiert sich von allein

„Notion Sound Collective“ über ihre erste Single-Compilation

Notion Sound Collective
Foto: Notion Sound Collective

„Es wächst etwas, was weit über Dich hinausgeht. Für mich als Künstler ist diese Zusammenarbeit eine ehrlichere Form meiner Freiheit.“ Thomas „toma“ Barth von der „Mondbasis Hamburg“ – Veranstaltungstechnik, Studio und Label – meint das Projekt „Notion Sound Collective“ mit seinen Mitstreitern Per Ole Heidorn und Arne Lübbert, welches am 31. August 2012 seine erste Single-Compilation „All we do is just for the you in us“ releasen wird. „Ich bin Schöpfer meiner Welt und beantworte mir die Frage nach unserem Erfolg selbst.“

 

free-download

 

Um finanziellen Wertausgleich geht es dem Trio nicht: Die sechs Singles mit einer Gesamtlaufzeit von knapp 24 Minuten sind online bereits auf www.notionsound.com als free-download erhältlich und zählen auf youtube bereits zahlreiche plays, z. B. 35 000 für „Thørs æth å ne vae loû uíe“.

Es ist vielmehr die Freude und der Reiz am gemeinsam erlebten, kreativen Prozess. So hat das musikalische Material jeweils drei Urheber, drei Komponisten, drei Texter, drei Produzenten usw. Jeder macht alles. Jede Idee wird von Anfang an gemeinsam gestaltet, häufig aus dem Moment heraus improvisiert.

„Oft ist nicht nachvollziehbar, wie der Song entstanden ist, weil jeder seinen Senf dazu gegeben hat. Wichtig ist nur: Wie ist der Song geworden?“ Per Ole Heidorn studiert Soziale Arbeit an der HAW (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg). Musikalisch ist er im HipHop zu Hause, was man z. B. in „Patriarchy“ gut hören kann.

„Mit allem, was ich bisher getan habe, habe ich konkrete Ziele verfolgt, hatte Absichten und Erwartungen. Genau das hat mich ausgebremst, sabotiert und abgelenkt. Nun gebe ich meine Impulse in einem mir vertrauten Kreis, in dem sich stets etwas Neues und Frisches ergibt. Dieses Ergebnis ist viel befriedigender.“ Für Arne Lübbert – Studium: Dipl. Musikpädagoge in Jazzgitarre – liegt das Geheimnis im Loslassen: „Man muss nur den Mut haben, eine Scheiß-Idee wieder über den Haufen zu schmeißen.“

 

Offene Kunst

 

Offen gestaltete Künstlerprojekte büßen in Inhalt oder Niveau ein: Sie sind nur so stark, wie der Schwächste im Team. Der Schaffensprozess zeigt sich klebrig und unbeweglich, weil Teilgeber ihren Ego-Film fahren. Der Reichtum im „Notion Sound Collective“ besteht darin, dass drei ausgebildete Musiker angemessen und sauber mit dem musikalischen Material aus zahlreichen Genre und Stilrichtungen spielen. Popmusik, Trance, Reggae, Experimental, Rock, Jazzeinflüsse: Hier treffen bunte Klänge echter Instrumente, Synthi oder Pads aufeinander. „Das Schöne daran ist, dass unsere Hörer durch die vielen Brüche und Genre-Wechsel eine Aussage zu einem Song machen und beim nächsten Lied sofort revidieren müssen“, so Thomas Barth. „Uns ist egal, ob wir radiotauglich sind. Hauptsache, wir machen kein Füllmaterial, um ein Album voll zu kriegen.“

Spannend wird sein, wie der Markt mit diesem Hör-Ergebnis umgehen wird. Wie beispielsweise werden die Singles bei iTunes vermarktet, wenn die Compilation keinem Genre sauber zugeordnet werden kann? „Ich beobachte, dass viele Künstlerkollegen sehr unglücklich darüber sind, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Das Marketing hat den Begriff Authentizität für sich entdeckt und erfindet für ihre Schützlinge folgerichtig irgendein authentisches Image“, erklärt Arne. „Wir beschränken uns nicht auf vorformulierte Interpretationen. Unser Publikum kann aus unserer Musik etwas Eigenes machen. Unser Image kreiert sich von allein.“

 

Du bist dabei!

 

Dazu werden die Fans mit in den Prozess eingebunden: „Jeder kann mitmachen! Wer eine CD hat, kopiert sie, gestaltet das Cover neu und reicht sie weiter. Wer Keine hat, lädt die Songs von der Webseite (in CD-Qualität) und macht sich Eine, die dann wieder genauso in den Weitergabe-Kreislauf geht, wie all die Anderen“, heißt es in der Pressemitteilung. Cover, die bereits von Freunden und Fans bemalt und bedruckt wurden, werden auf Facebook veröffentlicht.

Cover: "Patriarchy"
Cover: Notion Sound Collective

En détail

Durchatmen: „Patriarchy“ macht den Auftakt der Compilation. Ein kräftiger Sprechgesang kämpft sich auf einem stringenten Bass hin zum mehrstimmigen, weicheren Chorus. Die Single ist ein Spiel aus kontrapunktierenden Pausen, pointierten Basspunkten, kratzigem Gitarrenflirr und flüchtigen Beatbox-Lispel-Hauch. Das finale Gitarrensolo im metallischen Sound färbt die eben noch gemütlich aufgenommen hiPhOP-Mischung um: Jetzt rockt es.

 

 

Cover: Notion Sound Collective
Cover: Notion Sound Collective

„All we do is just for the u in us“, ähm, wie noch mal? „All we do is just for the u in us“ – die Single borgt der Compilation ihren Namen. Einen langen Namen. Viel Text, quasi die große Message über das wahre Leben im Frage-Antwort-Modus, teilen sich Chorus und die androgyn-wirkende Stimme von Thomas Barth. Der Sound suggeriert, das Leben wäre ein Kampf. Möglich, dass ich deshalb wenig Zugang zum Titel finde.

Cover: Notion Sound Collective
Cover: Notion Sound Collective

Vor einigen Wochen schon im Netz entdeckt und als Ohrwurm vor mir hergetragen: „I saw you“. Großer Pop-Zauber, weil: Weniger ist mehr. Liebe eben.

Cover: Notion Sound Collective
Cover: Notion Sound Collective

„When I look in your eyes“: Eine Zappel-Bounce-Nummer trotz regnerischem Sommer in Hamburg. „Notion Sound Collective“ kann auch Reggae. Und weil wir dabei auch tanzen und fliegen „in the air“, tauchen wir Gesang und Gitarre etwas in Hall und Schall.

Cover: Notion Sound Collective
Cover: Notion Sound Collective

Thørs æth å ne vae loû uíe“ – elektronisch, sphärisch. Die Single ist pure Bewegung; sie treibt, führt, trägt. Der Sound ist tief und satt. Durch das rückwärtige Abspielen des Gesangs erfährt der Song etwas Eleusinisches. Mein Favorit!

Cover: Notion Sound Collective
Cover: Notion Sound Collective

Tell them about“ greift den Schwung und den Klang von „Thørs æth å ne vae loû uíe“ auf und führt ihn zu einem melodisch anmutenden Finale. Der Klangteppich schafft Bilder, großes Kino!

Booking

Das Beste zum Schluss: Wer das „Notion Sound Collective“ finanziell unterstützen möchte, kann die Singles bzw. die Compilation ab 31. August 2012 in den gängigen Online-Stores (amazon, iTunes…) kaufen. Booking-Anfragen an Jessica Baran: Phone +49 40. 22 88 92 92 oder per e-Mail.

Hörprobe

Notion Sound Collective: When I look in your eyes
Notion Sound Collective
Fotos: Notion Sound Collective
Ich bin Unterstützer: Das Konzert der Stille ist und bleibt in meiner Wahrnehmung ein Geschenk an die Welt. Für die hochwertigen Gastbeiträge und für die oftmals umfangreichen Programmier-Leistungen bemühe ich mich stets um einen Wertausgleich. Wer mir dabei helfen möchte, den bitte ich um seine frEURO auf das Konto Harriet Oerkwitz/ Konzert der Stille, bei der DKB 120 300 00, Kontonummer 1012644777, Betreff: „Ich bin Unterstützer“. Da das Konzert der Stille nicht als gemeinnützige Organisation bewertet wird und somit nicht die Voraussetzung der § 68 ff der Abgabenordnung erfüllt, stelle ich keine Spendenbescheinigungen aus.
VERÖFFENTLICHT IN
SCHLÜSSELWÖRTER 
NOTION SOUND COLLECTIVE, THOMAS BARTH, PER OLE HEIDORN, ARNE LÜBBERT, MONDBASIS HAMBURG, I SAW YOU, THØRS ÆTH Å NE VAE LOÛ UÍE
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